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Lipödem

Was ist ein Lipödem?

Ein Lipödem ist eine chronische Fettverteilungsstörung, bei der es zu einer disproportionalen und symmetrischen Vermehrung des Unterhautfettgewebes – vor allem an Beinen und seltener an den Armen – kommt. Betroffene klagen häufig über Schmerzen, Spannungsgefühle und eine erhöhte Druckempfindlichkeit der Haut, obwohl Hände, Füße und der Oberkörper typischerweise nicht betroffen sind. Dies führt zu auffälligen Proportionen zwischen schlankem Oberkörper und voluminösen Extremitäten, was neben den physischen auch psychische Belastungen nach sich ziehen kann.
Die Erkrankung betrifft nahezu ausschließlich Frauen, oftmals ausgelöst durch hormonelle Umstellungen – wie sie etwa während der Pubertät oder nach einer Schwangerschaft auftreten. Erste Anzeichen können sich bereits in jungen Jahren zeigen, schreiten aber meist schleichend fort, wenn keine Behandlung erfolgt.

Typische Merkmale eines Lipödems

Hände greifen in weiches Fettgewebe am Oberarm – sichtbar sind symmetrische Fettanlagerungen und unregelmäßige Hautstruktur.

Symmetrische Fettanlagerungen, meist an den Oberschenkeln, Unterschenkeln und seltener an den Oberarmen

Frau berührt mit der Hand sanft ihr Bein – symbolisch für Druck- und Berührungsempfindlichkeit bei Lipödem.

Druck- und Berührungsempfindlichkeit, teils verbunden mit Spontanschmerzen

Frau sitzt auf einem Bett und verschränkt Arme und Beine – Hände und Füße erscheinen schlank und unverändert.

Unveränderte Hände und Füße, was das Lipödem klar von anderen Erkrankungen wie der Adipositas oder Lymphödemen abgrenzt

Frau sitzt auf dem Boden und tastet ihr geschwollenes Bein – Symbolbild für Ödeme und Wassereinlagerungen im Gewebe.

Ödemneigung: Wassereinlagerungen im Gewebe (v.a. im Tagesverlauf zunehmend)

Nachdenkliche Frau mit geschlossenen Augen sitzt im Schlafzimmer und stützt den Kopf – Ausdruck innerer Belastung und psychischer Anspannung.

Psychische Belastung: Viele Betroffene empfinden das veränderte Körperbild als stigmatisierend

Häufig gestellte Fragen zum Lipödem

Was passiert im Gewebe bei einem Lipödem?

Das Lipödem ist geprägt durch eine krankhafte Zunahme von Fettzellen im Unterhautfettgewebe – sowohl in der Anzahl als auch im Volumen. Gleichzeitig verlieren die feinen Blutgefäße (Kapillaren) in den betroffenen Regionen an Stabilität und werden durchlässiger. Als Folge tritt vermehrt Flüssigkeit aus den Gefäßen ins umliegende Gewebe über. Diese Flüssigkeit kann vom Lymphsystem nicht mehr ausreichend abtransportiert werden – es entstehen Schwellungen (Ödeme).
Der entstehende Überdruck im Gewebe führt zu typischen Beschwerden wie:

  • Spannungsgefühlen
  • Druckschmerz
  • erhöhter Berührungsempfindlichkeit
  • einer Neigung zu Blutergüssen (Hämatomen) bereits bei geringster Krafteinwirkung

Was ist der Auslöser für ein Lipödem?

Die genauen Auslöser eines Lipödems sind bis heute nicht abschließend erforscht. Experten gehen jedoch davon aus, dass sowohl genetische als auch hormonelle Faktoren maßgeblich an der Entwicklung beteiligt sind. Besonders häufig tritt die Erkrankung in Phasen hormoneller Veränderungen auf – etwa während der Pubertät, nach einer Schwangerschaft oder durch die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel. Auch die Wechseljahre können eine Rolle spielen.

Ein auffälliges Merkmal ist die familiäre Häufung: In vielen Fällen sind mehrere Frauen innerhalb einer Familie betroffen, was auf eine genetische Komponente schließen lässt. Die Vererbbarkeit scheint daher eine zentrale Rolle in der Krankheitsentstehung zu spielen.

Kann sich ein Lipödem zurückbilden?

Ein Lipödem ist eine chronische Erkrankung und bildet sich nicht von selbst zurück. Es ist nicht heilbar, aber die Symptome können mit einer konservativen Therapie oder einer Liposuktion effektiv gemanagt werden

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Stadien des Lipödems

Krankheitsverlauf verstehen

Das Lipödem ist eine fortschreitende Erkrankung, die typischerweise in mehreren Stadien verläuft. Je nach Ausprägung und Fortschritt verändern sich sowohl das Hautbild als auch die Beschwerden der Patientinnen. Die Einteilung in Stadien hilft dabei, den Schweregrad der Erkrankung besser einzuordnen und individuell passende Therapieansätze zu finden

Grafische Darstellung der Oberschenkelrückseite im Lipödem-Stadium 1 mit glatter Haut und beginnender Gewebevermehrung.

Stadium 1

Frühstadium

Hautbild glatt und gleichmäßig
Vermehrung des Unterhautfettgewebes, vor allem an Oberschenkeln und Hüften
Ödeme (Schwellungen) möglich, nehmen im Tagesverlauf oft zu
Druckschmerzen oder Spannungsgefühl beginnen, sind aber noch moderat
Keine sichtbare Hautstrukturveränderung
Grafische Darstellung des Gesäß- und Oberschenkelbereichs im Lipödem-Stadium 2 mit sichtbaren Hautwellen und Fettpolstern.

Stadium 2

Fortgeschrittenes Stadium

Haut wirkt uneben, teils wellig oder „mattiert“
Tastbare Knötchen und verhärtete Fettgewebsareale
Schmerzen, Druckempfindlichkeit und schwere Beine verstärken sich
Umfang der betroffenen Körperbereiche nimmt sichtbar zu
Kleidung passt zunehmend schlechter – Konfektionsgrößen zwischen Ober- und Unterkörper unterscheiden sich deutlich
Grafische Darstellung des Gesäß- und Oberschenkelbereichs im Lipödem-Stadium 3 mit ausgeprägten Fettwucherungen und unregelmäßiger Hautstruktur.

Stadium 3

Spätstadium

Haut neigt zu Einblutungen und blauen Flecken
Schmerzen chronisch, auch ohne Berührung oder Belastung
Starke Bewegungseinschränkungen durch Gewicht und Form der Extremitäten
Massive Volumenzunahme an Beinen und/oder Armen
Haut stark uneben, deutlich knotige und großlappige Fettgewebswucherungen („Deformitäten“)
Psychische Belastung durch stark verändertes Körperbild häufig sehr hoch

AKTUELLES

Späte Anerkennung als ernsthafte Erkrankung

  • Lipödem wurde über Jahrzehnte nicht als medizinisch relevante Krankheit, sondern häufig als ästhetisches oder „weibliches Lifestyle-Problem“ verkannt.
  • Daraus resultierten späte Diagnosen, fehlende Therapien und psychosoziale Belastungen für Patientinnen.
  • Der aktuelle Beschluss zeigt eine späte, aber notwendige Korrektur dieser Vernachlässigung – mit strukturellem Aufholbedarf.

Liposuktion bei Lipödem künftig Kassenleistung unabhängig vom Krankheitsstadium

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat beschlossen, die Liposuktion künftig als Kassenleistung für alle Stadien des Lipödems anzuerkennen. Erste Ergebnisse einer vom G-BA veranlassten Studie zeigen, dass der Eingriff gegenüber rein konservativen Therapien deutlich überlegen ist. Laut G-BA-Mitglied Dr. Bernhard van Treeck war eine frühere Entscheidung mangels Studienlage nicht möglich, obwohl der Leidensdruck der Patientinnen bekannt war.

Quelle: G-BA, Pressemitteilung Nr. 1274